„Sesam öffne dich!“

Was wird passieren, wenn die Corona-Lockdown wieder geöffnet wird?
Haben wir ihn dann wieder, den Schatz des freien, ungezwungenen Lebens?

Geschäfte, Lokale, Sportstätten und Grenzen sind wieder geöffnet.
Kitas und Schulen öffnen – mal langsam, mal schnell.

In den Schulen soll hier in Hessen zumindest die letzten zwei Wochen vor den Sommerferien fast wieder Normalbetrieb sein.
Falls das nicht gut geht, könnte man die Ent- wicklung in den Ferien ja wieder einfangen.

  • Die einen finden das gut, weil die Kinder ihre Freunde wieder öfter wiedersehen, und Bildung brauchen. Und die Eltern wieder ein Stück mehr Normalität im Familienleben.

  • Die anderen meinen: Das geht gar nicht, dass wir hier als Versuchskaninchen für einen Feldversuch missbraucht werden.

    Und beide Sichtweisen haben ihr Recht. Anderswo werden die ersten Schulen schon wieder geschlossen. Neue Corona-Hotspots tauchen plötzlich auf.

    Öffnung heißt:
    Es werden wieder Dinge möglich, die einige Monate lang nicht gingen.
    Aber keiner weiß genau, was dann passieren wird. Es bleibt ein Risiko.

    Und wie das so ist:
    • Die einen gehen forsch voran. Voller Elan packen sie das Risiko bei den Hörnern.
    • Die anderen bleiben zaghaft zurück und wollen erst mal sehen, was passiert. Auch da haben beide Reaktionen ihr Recht, denn vieles hängt einfach vom Menschentyp ab. Und wir Menschen sind nun mal verschieden.
    • Manche gehen als Führer voran. Viele vertrauen ihnen und folgen mutig.
    • Andere sind skeptisch: Mit Führern hat ja nun gerade unser Land durchaus schlechte Erfahrungen gemacht.
    Und es macht wenig Sinn, wenn unterschiedliche Menschtypen sich gegenseitig vorwerfen jeweils anders zu sein, als man selbst ist.

    Für eine Gesellschaft wie die unsere kann es nicht heißen: Im Gleichschritt Marsch!
    Das funktioniert nur beim Militär.
    Die Menschen sind verschieden mit ihren Ängsten, ihrem Mut, ihrem Lebenstempo und ihrer Risikofreudigkeit.

    Paulus erklärt in der Bibel diese Unterschiedlichkeit mit dem Bild vom Leib und den vielen Gliedern. Er bezieht das auf die Gemeinde Jesu Christi.

    Die unterschiedlichen Körperteile werden alle gebraucht. Jedes an seinem Platz und mit seiner Funktion.
    Falscher Konkurrenzkampf ist da wenig sinnvoll.

    Worauf es ankommt, ist das Zusammenspiel, in dem jeder seine Fähigkeiten einbringt.

    Wir werden mit ganz unterschiedlichem Tempo wieder aus dieser Krise herauskommen. Der eine riskiert viel. Auch, auf die Nase zu fallen. Er sollte nur andere dabei nicht gefährden. Der andere ist langsam unterwegs. Er sollte aber die schnelleren nicht zu sehr bremsen.

    Und vielleicht könnte das wirklich gelingen, dass Christen Vorbild darin sind, einander in aller Unterschiedlichkeit wert zu schätzen. Denn jeder wird an seinem Platz und in seiner Art gebraucht.

    Pastor Harald Kufner

 

 

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