„Bleiben Sie gesund!“

Seit Corona hat sich das für viele zum Standard-Abschiedsgruß entwickelt. Ein guter Wunsch, aber dennoch einer mit einer Grenze. In der Anfangszeit der Krise war es mehrfach zu hören:

 

  • Wir tun alles für die Gesundheit
    Gesundheit hat Priorität – kostet es, was es wolle!
  • Alles wird dem Schutz des Lebens untergeordnet.
    Bundestagspräsident Schäuble hatte das im April in einem bemerkenswerten Interview hinterfragt. Denn wir haben das nicht getan und tun das nicht. Schäuble meinte, die Würde des Menschen, „die ist unantastbar. Aber sie schließt nicht aus, dass wir sterben müssen“. Ich meine: Wenn wir dem Schutz des Lebens alles unterordnen würden:
  • Dann dürften wir keinen Straßenverkehr mehr haben. Da sterben jedes Jahr 3.000 Menschen in Deutschland. Es waren mal viel mehr. Aber 3.000 sind immer noch zu viel.

Wenn wir dem Schutz des Lebens alles unterordnen würden:

  • Dann würden wir uns anders ernähren.
  • Dann würde es einen anderen Umgang mit Suchtmitteln geben.
  • Dann würde der Lebensschutz am Anfang und am Ende des menschlichen Lebens eine andere Rolle spielen.
  • Dann würden wir in all den Fragen rund um Schöpfung und Klima anders handeln.
  • Dann würden wir mit Ländern der sogenannten dritten Welt anders umgehen.

Der große Schreck der Krise war und ist ja: Wir müssen erkennen, dass wir sterblich sind. Und dass das mit dem Sterben meist nicht in unserer Hand liegt.

Da kommt etwas über uns und bedroht uns: Krankheit und Tod können jeden ergreifen. Und wir können fast nichts dagegen tun.

In einem alten Gebet in der Bibel heißt es: Psalm 90,10 (HfA):
Unser Leben dauert siebzig, vielleicht sogar achtzig Jahre. Doch alles, worauf wir stolz sind, ist nur Mühe, viel Lärm um nichts! Wie schnell eilen die Jahre vorüber! Wie rasch schwinden wir dahin!

Psalm 90,12 (LÜ):
Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.

Ob wir uns daran wieder gewöhnen können, dass Sterben und Tod zum Leben dazu gehören? Dieses Virus hat uns Menschen an etwas erinnert, was wir gern ignorieren. Aber ich halte es nicht für klug das zu verdrängen. Wir leben nicht ewig. Unser irdisches Leben hat ein Ende. Wir dürfen uns wünschen, dass dieses Ende nicht frühzeitig geschieht. Nicht mit Schmerzen verbunden ist. Nicht mit Leiden. Dafür können wir auch einiges tun.

Aber das Problem „Tod“ werden wir nicht lösen. Das haben alle Menschen gemeinsam, ob reich, ob arm, ob klug, ob dumm.

Sich damit zurechtzufinden gehört vermutlich zu den größten Weisheiten des Lebens. Das Sterben ist eben das Entscheidendste, was uns Menschen von Gott unterscheidet.

Und was Gott dafür getan hat, um unser Problem mit dem Tod zu lösen, darüber möchte ich gerne im nächsten Gottesdienst nachdenken: Am kommenden Sonntag, online hier auf unserem YouTube-Kanal oder auch ganz analog in unserem Präsenz-Gottesdienst in der Sodener Straße.

Denn Christen haben einen Halt, der im Leben und im Sterben hilft – und der durch den Tod hindurch Hoffnung gibt.

Pastor Harald Kufner

(Andacht vom 24.06.2020 auf unserem You- Tube-Kanal und auf der Homepage der Gemeinde) https://youtu.be/qfzzxAAxFjg

 

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