Nachgedacht – von hier nach da

Liebe Gemeinde,

in wenigen Wochen beginnen die Sommermonate und damit auch die Zeit der großen Ferien. Jeder, der schon mal mit jüngeren Kindern weite Urlaubsreisen gemacht hat, wird die eine Frage kennen, die die Kinder regelmäßig auf langen Fahrten stellen. Die Kinder werden sie sehr oft und mit unglaublicher Hartnäckigkeit stellen. Sie stellen diese Frage auch dann, wenn man ihnen unmissverständlich zu verstehen gegeben hat, dass man diese Frage nie wieder hören möchte und je länger die Fahrt dauert, desto häufiger wird diese Frage gestellt. Die Frage lautet: „Wann sind wir da?“

Das Ziel einer Urlaubsreise ist es, von „hier“ nach „da“ zu kommen. Aus der Erschöpfung in die Erholung, aus dem Alltag in die Freizeit, aus dem Regen in die Sonne. Man möchte dem „Hier“ für einige Zeit entfliehen und das „Da“ entdecken. Auch das Volk Gottes befand sich auf so einer Reise. Am Anfang kam Gott zu Abraham. Abraham wohnte in der Stadt Ur in Chaldäa und Gott sagte ihm: „Ich möchte, dass du das „Hier“ verlässt und dass du nach dem „Da“ gehst. Ich werde dir sagen, wo es ist, wenn du dort bist.“ Dann kam Gott zu Mose. Das „Hier“ bestand daraus, dass das Volk Israel in der Sklaverei in Ägypten lebte und Gott sagte: „Mose, ich möchte, dass du das Volk nach „Da“ führst – ich werde das Schilfmeer teilen, ich werde euch versorgen und ich möchte euch in die Freiheit führen“. Danach kam Gott zu Josua. Er wanderte mit dem Volk Gottes in der Wüste umher und Gott sagte: „Josua, ich möchte, dass du nach „Da“ gehst – in das versprochene Land. Das ist der Ort, wo mein Volk sein Zuhause finden wird“.

Aber bei diesen Reisen in der Bibel ging es nicht nur um einen geographischen Ortswechsel. Es ist zugleich auch immer eine geistliche Reise von da, wo wir jetzt gerade sind, zu dem Ort, wo Gott uns haben und verändern möchte. Es ist immer eine Reise von Gebundenheit in die Freiheit, aus der Verzweiflung in die Hoffnung, vom Zweifel zum Glauben, von Angst zu Mut, vom Tod zum Leben. Und diese Tatsache ist wahr für jeden Einzelnen von uns, aber auch für uns als Gemeinde.

Es gibt ein „Da“, wohin Gott uns als Gemeinde beruft. Zurzeit befinden wir uns als Gemeinde genau an diesem Punkt, an der Frage: Wie sieht das „Da“ für uns als Gemeinde aus und wie können wir das „Da“ erreichen? Welche Weichen müssen jetzt gestellt werden, welche Schwerpunkte sollten wir setzten und worauf sollten wir unseren Blick richten? Im Zentrum all dieser Fragen steht unser mächtiger Herr, der Schöpfer des Himmels und der Erde und das Haupt der Gemeinde – auch unserer Gemeinde. Deswegen sollte es uns ein großes Anliegen sein, alle Überlegungen im Gebet zu begleiten und an der Bibel zu prüfen, denn wir bauen nicht auf unsere eigenen Fähigkeiten, um von „hier“ nach „da“ zu kommen. Auf was wir bauen ist, dass der Sohn Gottes eines Tages zum Vater gesagt hatte, dass er das „Hier“ verlassen wollte, um ins „Da“ zu gehen. Von der Herrlichkeit Gottes auf diese Erde. Von einer Krippe an das Kreuz. Von einem Kreuz in das Grab, um danach wieder in seine Herrlichkeit zurückzukehren.  Und während Jesus auf dieser Welt war, brachte er das Königreich Gottes zu den Menschen, schenkte Vergebung und machte den Weg zum Vater frei.

Wir vertrauen nicht uns selbst, sondern möchten uns von Jesus und seinem Geist leiten lassen, um zu entdecken, welchen Weg er mit uns als Gemeinde gehen möchte.

Als Jesus an einem Sabbat einen kranken Menschen heilte, da klagten ihn die führenden Männer des jüdischen Volkes an. Jesus wendete sich ihnen zu und sagte: „Mein Vater hat bis heute nie aufgehört zu wirken, und weil er wirkt, wirke auch ich.“ (Joh.5,17)

Dieser Ausspruch von Jesus gilt auch für uns heute. Jesus wirkt und handelt heute noch immer – manchmal versteckt auf geheimnisvollen Wegen, manchmal offensichtlich, aber wenn Jesus der Handelnde ist, dann begleitet er uns auch auf dieser Reise und will uns leiten und führen. Das ist der Grund, warum wir zuversichtlich in die Zukunft schauen dürfen – als Gemeinde, aber auch jeder im persönlichen Leben. Jesus wirkt noch immer und er kennt den Weg, den er uns führen möchte.

Und in diesem Sinne dürfen wir gespannt sein auf die nächsten Schritte und sie im Vertrauen auf unseren guten Herrn gehen.

Björn Letschert

 

Quellangabe der verwendeten Texte

Bibeltexte: Bibeltext der Neuen Genfer Übersetzung  Neues Testament und Psalmen Copyright © 2011 Genfer Bibelgesellschaft

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