„NEUES WAGEN “…

… so lautet der zweite Teil unseres Jahresthemas. Neues wagen bedeutet „Aufbruch“, losgehen und neue Ziele anstreben. Die Bibel ist voller Geschichten, in denen Menschen (im Auftrag Gottes) Neues wagen und „zu neuen Ufern“ aufbrechen.

Da ist der Stammvater Israels: Abraham. Gott hatte ihn sehr direkt zum Aufbruch in etwas Neues aufgerufen. Er sollte seine Heimat verlassen und in ein Land reisen, das Gott ihm zeigen wollte (1. Mose 12).
Da ist das Volk Israel: Gott hatte es aus der Sklaverei in Ägypten zum Aufbruch gerufen. Es sollte den Weg in die Freiheit gehen: Aufbruch in das Land, das schon den Vätern verheißen war (2. Mose 6).
Nicht alle unter den Israeliten werden große Abenteurer gewesen sein. Und als auf der Wanderung durch die Wüste Schwierigkeiten auftauchten, sehnten sich manche wieder zurück nach den „Fleischtöpfen Ägyptens“ (2. Mose 16,3).

Schon daran merken wir, dass es uns Menschen nicht immer leicht fällt, Neues zu wagen.
Als Jesus begann, das Reich Gottes zur proklamieren („Kehrt um, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen.“ Matthäus 4,17), da rief er Menschen dazu auf, ihr angestammtes Leben zu verlassen und ihm nachzufolgen. Und so ließen seine Jünger alles stehen und liegen und zogen mit ihm mit (Matthäus 4,18ff).

Im Epheserbrief ist dann davon die Rede, dass Christen Menschen sind, die eine neue Heimat haben (Eph. 2,19). Auch wenn sie noch in dieser Welt leben, sind sie Bürger der Welt Gottes. Und als Bürger dieser neuen Welt ist ihnen die Verheißung gegeben, dass Gott am Ende einen neuen Himmel und eine neue Erde geben wird (Off. 21,1).

Quer durch die Bibel geht es immer wieder darum, Neues zu entdecken und zu wagen. Und dahinter steckt nicht menschliche Abenteuerlust, sondern der Ruf Gottes, der dazu herausfordert.

Im Neuen Testament finden wir auch Impulse dazu, wie das für Christen aussehen kann.

Das Alte und Gewohnte zu verlassen, ist nicht immer einfach. In der ersten Christenheit brauchte es für die so genannten Judenchristen einen langen Weg, einzusehen, dass das Gesetz kein Weg zum Heil ist. Über die Forderungen, das ganze alttestamentliche Gesetz halten zu sollen, wurde lange diskutiert. Und es brauchte viel Überzeugungskraft, auch hier einen neuen Weg zu gehen. (Vgl. Apostelgeschichte 10: Petrus und der Hauptmann Kornelius. Apostelgeschichte 15: Das „Apostelkonzil“.)

Ein anderes Beispiel hatte Paulus auf einer Missionsreise erlebt. Einmal schienen alle Türen verschlossen und er war ratlos, wohin die Reise gehen sollte. Nichts schien mehr möglich. Da erschien ihm im Traum ein Mann aus Mazedonien und rief ihm zu: „Komm herüber und hilf uns“. Das war der Impuls, neue Wege zu wagen und nach Europa zu reisen. (Apostelgeschichte 16, 6-10.)


UND WIR?

Drei wichtige Themen der nächsten Zeit werden uns herausfordern, Neues zu wagen.

1.  Mitgliedschaft

Über 1 ½ Jahre hat ein Arbeitskreis zum Thema Mitgliedschaft gearbeitet. Dabei ging es darum, die derzeitige Form der „assoziierten Mitgliedschaft“ zu besehen, die aktuelle Lage in unserem Gemeindebund zu beachten und die offen gebliebenen Fragen aus der Abstimmung zum passiven Wahlrecht von assoziierten Mitgliedern zu bedenken. Bei Erscheinen dieses Gemeindebriefes wird der Klärungsprozess in der Gemeinde im Gange sein. (Mehr dazu an anderer Stelle in diesem Gemeindebrief…)

2.  Berufung einer neuen Gemeindeleitung

Nach Klärung der Mitgliedschaftsfrage steht dann die Neuberufung der Gemeindeleitung in der neuen Struktur an. Diese hatten wir gemeinsam mit einer aktualisierten Berufungsordnung in großer Einmütigkeit beschlossen. Einen Zeitplan für die Neuberufung gibt es noch nicht. Dieser wird aber rechtzeitig bekannt gegeben.

3.  Zukunftswerkstatt

Wo stehen wir als Gemeinde im Jahr 2030? Welchen Platz haben wir in unserer Stadt, in unserer Umgebung?


Die Herausforderung:

Wir wissen, dass Jesus als Herr der Gemeinde alles Entscheidende bewirkt. Aber er sendet uns in diese Welt. Und dann sind wir gefragt, uns auf den Weg zu machen – hin zu den Menschen. Wie sieht diese Sendung konkret für uns aus? Und „welche Weichen müssen wir heute stellen“, damit wir auch morgen diese Sendung leben können?

Professionelle Begleitung:

Für diesen Zukunftsprozess haben wir mit André Häusling einen kompetenten Begleiter gewinnen können. Er ist Gründer und Geschäftsführer von hr pioneers. Neben seiner beruflichen Tätigkeit arbeitet er im Beratungsnetzwerk unseres Gemeindebundes mit.

Erste Schritte in der Gemeindeleitung:

Als Gemeindeleitung hatten wir mit André Häusling ein inspirierendes Kennenlerntreffen vor den Sommerferien. In einem Vorbereitungs-Workshop am 16.08. hat er mit uns intensiv über unsere Situation, unsere Vorstellungen und verschiedene Möglichkeiten für das weitere Vorgehen gesprochen. Dabei ging es um Fragen der Relevanz der Gemeinde für die Menschen in unserer Umgebung, um unsere Identität als Gemeinde, um Begeisterung und Erweckung.

Erste Schritte als Gemeinde:

Uns war sehr schnell klar, dass es nicht darum gehen kann, einen oder mehrere Arbeitskreise zu bilden und theoretische Gedanken zu wälzen oder kluge Papiere zu erstellen. Wir wollen auch kein Leitbild formulieren, das schön aussieht, aber dann einfach nur „abgeheftet“ wird. Auf der Suche nach einem inspirierenden Weg der Beteiligung gilt es für die Gemeindeleitung zunächst einige „Hausaufgaben“ zu erledigen. Diese werden wir mit André Häusling am 25.09. besprechen. Danach wird es darum gehen, als Gemeinde erste Schritte gemeinsam zu gehen. Wir hoffen, bitten und beten, dass sich viele mit auf diesen Weg machen. Was am Ende als Ergebnis stehen wird, wissen wir noch nicht. Aber wir sind sehr gespannt darauf.


So ist es mein Wunsch, dass wir uns von Gott ermutigen lassen, neue Wege zu gehen. Der vor uns liegende Spätsommer und Herbst wird uns dazu genügend Möglichkeiten bieten.

 

Harald Kufner (Pastor)

 

Quellangabe der verwendeten Texte

Bibeltexte: Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers, 1984, Deutsche Bibelgesellschaft