Über das Sorgen

Im Ps. 4,9 heißt es:

Wenn man sich das derzeitige Geschehen anschaut, dann fällt es mir schwer, diese Worte des Psalmschreibers zu sprechen. Ich liege und schlafe nicht immer in Frieden. Häufiger als ich zugeben möchte, mache ich mir Sorgen über ein Problem, von dem ich nicht weiß, wie ich es lösen kann. Manchmal mache ich mir Sorgen über das, was auf der Welt vor sich geht –die Pandemie, liebe Menschen die schwer erkrankt sind, Unsicherheiten.
Manchmal mache ich mir Sorgen über eine Entscheidung, von der ich weiß, dass ich sie treffen muss, aber nicht will.
Manchmal mache ich mir Sorgen darüber, dass ich eine schwierige Unterhaltung mit jemandem führen muss, ich aber nicht genau weiß, wie sie ausgeht.
Ich mache mir Sorgen um meine Kinder, die Schule, die Gemeinde.

Und dann plötzlich – mitten in diesen sorgenvollen Gedanken kommen mir auch andere Bibelverse in den Sinn. Da schreibt z.B. Paulus:

 

 

 

Auch Petrus sagt:

Ich frage mich, wie das zusammenpasst? Warum mache ich mir so viele Sorgen, wenn ich doch weiß, dass ich einen Gott habe, der größer als all meine Probleme, Sorgen und Ängste ist? Der die Welt, das Universum geschaffen hat und alles in seinen Händen hält – auch mich, auch mein Leben. Warum sind sie da, diese Sorgen?

Die Bibel verspricht uns an keiner Stelle, dass wir ein sorgenfreies Leben haben werden. Auch die Menschen in der Bibel kannten Leid, Schmerz und Tod, auch sie durchlebten teilweise sehr beängstigende und schwierige Umstände. Wenn man sich die biblischen Personen anschaut, dann kann man feststellen, dass sie trotz ihrer Schwierigkeiten in der Realität Christi lebten. Dieser Jesus gab ihnen eine Bedeutung, einen Sinn und Sicherheit, so dass selbst der Tod sie nicht ins Chaos stürzen konnte.

Einer dieser Menschen war wohl auch der Autor des Ps.121. Wer diesen Psalm geschrieben hat, weiß man nicht genau. Er war wohl auf der Reise nach Jerusalem. Bevor man die Stadt erreichen konnte, musste man das judäische Bergland aufsteigen. Es waren beschwerliche, enge und gefährliche Pfade.

Der Schreiber des Psalms hatte allen Grund sich Sorgen zu machen und er schreibt:

Was ich an der hebräischen Denkweise so mag, ist, dass sie gefüllt ist mit Vorstellungen und Bildern, die sehr weltlich, sehr körperlich und sehr konkret sind – so dass die Wirklichkeit Gottes dahin kommen konnte, wo die Menschen waren.
„Ich hebe meine Augen auf“ ist ein gewöhnlicher und alltäglicher Ausdruck in der hebräischen Literatur. Er bezieht sich nicht nur auf die Augen. Es bedeutet, dass man etwas bemerkt. Es bedeutet, dass man sich einer Möglichkeit bewusst wird, dass jemand oder etwas meine Aufmerksamkeit erregt und auf sich zieht.
Es ist einfach eine lebendige, hebräische Art, um eine der großartigsten menschlichen Freiheiten auszudrücken, die uns niemand nehmen kann: die Freiheit selbst zu entscheiden, auf was man seine Aufmerksamkeit und seine Gedanken ausrichten möchte.

Hebe deine Augen auf.

Ich kann meine Aufmerksamkeit und meine Gedanken auf meine Probleme richten, ich kann sie auf meine Sorgen richten, auf meine Ärgernisse und Ängste, oder ich richte sie auf Gott. Und vielleicht kann ich dann mit dem Psalmisten gemeinsam sagen:

Dieser Psalm ist kein Versprechen, dass unsere Leben geschützt und sicher sind, aber er sagt uns, dass meine ewige Seele nicht auf dem Spiel steht.
Es sind Worte, die sagen: Gott will dich halten, er behütet dich, er sieht dich, er kennt deine Situation und er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen.

Daher gilt auch für uns: Was uns auch immer in den nächsten Wochen begegnen wird – wir dürfen unsere Augen, unsere Gedanken und unsere Aufmerksamkeit auf das Kreuz richten – auf den, der schon alles für uns getan hat.

 

Björn Letschert
Gemeindereferent