Wer regiert in meinem Königreich?

Als Jesus geboren wurde, war Rom das Zentrum der Macht. Hier saß der mächtigste Mann der Welt und regierte ein Königreich, das mehr Land umfasste als jedes Reich zuvor. Kaiser Augustus wurde bekannt unter dem Titel: „König der Könige“, denn er regierte über die Könige der eroberten Länder. Ihm zur Ehre wurden Denkmäler und Statuen gebaut und am Ende seines Lebens riefen die Menschen ihm zu: „Ehre sei Caesar in der Höhe und Frieden auf Erden den Menschen, die ihn ehren.“ Dieser Friede wurde als „Pax Romana – der Römische Friede“ bekannt. Es war ein ziemlich blutiger Friede, denn Augustus musste eine Menge Kriege führen und viele Menschen töten, um diesen Frieden zu bewahren. Um den Frieden und die Armeen finanzieren zu können, ließ sich Augustus etwas einfallen. Uns wird von einem antiken Geschichtsschreiber erzählt: „Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde.“ (Lk.2,1)

Mit diesen Sätzen beginnt die Weihnachtsgeschichte, die in diesen Tagen überall gelesen wird. Dieser Monarch hatte so viel Macht, dass er nur einen Finger in Rom heben musste, nur ein Gesetz erlassen musste, und 2400 km entfernt unternimmt ein von Armut geplagtes Ehepaar eine gefährliche Reise. Sie mussten von Nazareth, ihrem Heimatdorf, nach Bethlehem wandern, weil dieser Kaiser in Rom es so wollte. 
In Bethlehem wurde dann ein Kind geboren – so wie es lange Jahre vorher in einer antiken hebräischen Schrift prophezeit wurde. „Und du, Bethlehem Efrata, die du klein bist unter den Tausenden in Juda, aus dir soll mir der kommen, der in Israel Herr sei, dessen Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her gewesen ist.“(Mi.5,1)

Diese Prophezeiung sagt, dass der Messias in Bethlehem geboren werden wird und er der wahre König sein wird. Josef und Maria lebten aber nicht Bethlehem und sie wären auch niemals in diese Stadt gegangen, wenn es nicht Kaiser Augustus gegeben hätte..

Ich denke, der Evangelist Lukas möchte uns hier etwas deutlich machen. Er fragt die Leser: Wessen Wille wird hier tatsächlich ausgeführt? Welcher König hat die eigentliche Macht? Augustus dachte, dass er all die Macht und Autorität besaß, und aus menschlicher Perspektive war es auch so. All die Soldaten und Schwerter waren in Rom. In Bethlehem finden wir nur Ställe, Esel und Hirten, aber die Engel sangen nicht in Rom, sondern in Bethlehem. Der wahre König liegt in einer Krippe und sitzt nicht auf einem vergoldeten Thron. Lukas zeigt uns, dass es Gott ist, der die Fäden in der Hand hält und leitet. Ganz still, unaufdringlich, unsichtbar und unhörbar stellt er unsere Welt auf den Kopf.

Gott ist mächtiger als Augustus. Ihm ist es möglich durch Könige zu leiten, ohne dass sie es merken. Durch die Jahrtausende hindurch gab es keine einzige Sekunde, in der Gott die Leitung entglitten wäre, auch wenn wir es schwer verstehen können.
Genauso wie damals leben auch wir in einer Welt, die von den Mächtigen, der Politik, der Bildung, der Wissenschaft und Wirtschaft bestimmt wird. Aber all diese Dinge sind begrenzt in menschlicher Macht und unsere menschlichen Königreiche sind nicht beständig.  Wie oft denken wir Menschen, dass wir alles in unseren Händen haben. Ich muss nur eine „Verordnung“ herausgeben und es passiert. Die leisen Momente unseres Lebens zeigen uns aber, dass es nicht so ist. Wir entdecken es, wenn es nicht mehr so läuft, wie wir es uns wünschen, wenn Krankheiten, Sorgen oder Nöte in unser Leben treten und man feststellen muss, dass man nicht die Macht hat, diese Dinge zu beeinflussen.

Auch in einer Gemeinde machen solche Gedanken nicht halt. Wie schnell vergessen wir, dass Jesus das Haupt ist und nicht wir? Im neuen Jahr möchten wir über diese Fragen als Gemeinde nachdenken. Was ist dran? Wohin möchte Gott uns führen? Wo ist Klärungsbedarf? Wo müssen wir jetzt schon die Weichen stellen, damit die Gemeinde auch noch in 10 Jahren ein Zeugnis von Gottes Liebe in Bad Homburg sein kann und den Menschen der Stadt dient und Hoffnung bringt.
Für diesen Prozess wünsche ich mir sehr, dass uns immer bewusst bleibt, dass es dabei nicht um uns geht, sondern um den Willen Gottes. Sein Wille soll in unserer Gemeinde geschehen.

Als Augustus diesen Befehl erließ, da sahen Maria und Josef vielleicht nicht das Wirken Gottes – aber Gott war am Werk. Er schleicht sich selbst hinab auf diese Erde und schließt sich ein in menschliche Schwäche und endliche Schwachheit. Er kam, um das Königreich auszurufen und das Fundament, auf dem er dieses Königreich baut, liegt in der Krippe in Bethlehem.

Mit diesen Gedanken wünsche ich allen eine besinnliche Advents- und Weihnachtszeit. Gott verliert niemals die Kontrolle, auch nicht im Jahr 2018.

Björn Letschert

Quellangabe der verwendeten Texte

Bibeltexte: Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers, 1984, Deutsche Bibelgesellschaft