„ER IST NICHT HIER!“

Die Menschen haben sich zu allen Zeiten über den Tod Gedanken gemacht. Irgendwie ahnen wir, dass der Tod nicht das Ende ist. Aus diesem Grund wurden einige beeindruckende Bauwerke auf der Welt errichtet.

Da ist die große Pyramide von Gizeh. Über 20.000 Arbeitskräfte haben sie 20 Jahre lang erbaut, um die sterblichen Überreste des Pharaos Cheops zu beschützen. Sie ist ein Zeugnis seiner Macht und seines Wohlstandes. Da ist die Terrakotta-Armee in China. 8000 menschengroße Figuren aus Ton sollten dem chinesischen Kaiser in seinem Leben nach dem Tod dienen und ihn beschützen. Auch das Taj Mahal in Indien ist ein beeindruckendes Grabmal. Aus Trauer über den Tod seiner Frau ließ ein indischer Mogul dieses riesige Mausoleum aus Marmor und Edelstein errichten.

Aber das wichtigste Grab, das jemals erbaut wurde, ist keines von diesen. Das bekannteste Grab auf der Welt ist nicht bekannt dafür, was drin ist. Es ist bekannt für das, was nicht drin ist. Niemand weiß genau, wo sich das Grab von Jesus befindet – aber die Existenz der Kirche und die Hoffnung der Welt sind auf das gegründet, was in diesem Grab passierte.

Als Jesus starb, da arbeitete niemand an einer Pyramide, niemand baute eine Armee aus Tonfiguren. Jesus war so arm, dass er sich kein eigenes Grab leisten konnte.  Josef von Arimatäa legte den Leichnam von Jesus in sein eigenes Grab und verschloss es mit einem großen Stein. Wie alle anderen Gräber war auch dieses Grab ein Ort des Todes, der Verzweiflung, der Entmutigung, der Hoffnungslosigkeit und der Trauer.

Aber dann können wir lesen: „Plötzlich fing die Erde an, heftig zu beben. Ein Engel des Herrn war vom Himmel herabgekommen und zum Grab getreten. Er wälzte den Stein weg und setzte sich darauf.“ (Mat.28, 2) Zwei Frauen, Maria aus Magdala und die andere Maria, beobachten das Geschehen und der Engel sagte zu ihnen: „Ihr braucht euch nicht zu fürchten. Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. Er ist nicht hier; er ist auferstanden, wie er es vorausgesagt hat.“

In diesem Moment erlebten die Frauen eine Macht, die wir mit unseren menschlichen Fähigkeiten nicht in Worte fassen können. Sie hörten die Worte des Engels: „Er ist nicht hier!“ Der Tod konnte ihn nicht halten. Das Grab konnte ihn nicht stoppen. Die Hölle konnte ihn nicht besiegen. Dieser Satz veränderte die Welt: Jesus lebt, er kommt wieder – er ist nicht hier.

Der Engel sagte nicht: „Jesus wird weiter in eurem Herzen leben“ oder „Jesus wird immer in unseren Erinnerungen bleiben.“ Nein – Jesus ist nicht hier, nicht in diesem Grab. Er forderte die Frauen auf: „Kommt her und seht euch die Stelle an, wo er gelegen hat“ (Mat.28, 5). Diese Einladung ist die Erklärung, warum der Engel den Stein wegrollte. Die Auferstehung war schon passiert und wir wissen aus dem Neuen Testament, dass der auferstandene Jesus durch Wände und verschlossene Türen gehen konnte. Dieser Stein wurde nicht weggerollt, um Jesus herauszulassen, sondern um die Frauen ins Grab hineinzulassen. Sie mussten sich überzeugen, sie mussten es sehen: Jesus ist nicht mehr hier.

Und weil er nicht mehr da ist, wo er war, kann er jetzt bei uns sein, wo wir sind. Weil er nicht da blieb, wo er war, müssen wir nicht da bleiben, wo wir sind. Das ist die Gemeinschaft der Auferstehung, das ist Versöhnung, das ist der Aufbruch, etwas Neues zu wagen.

Der Engel sagte zu den Frauen: „Geht schnell zu seinen Jüngern und sagt ihnen, dass er von den Toten auferstanden ist.“ (Mat.28, 8) Weil Jesus nicht mehr hier ist, können die Frauen auch nicht am Grab bleiben. Was sollen sie da noch? Sie haben jetzt einen Auftrag. Sie haben eine Botschaft: „Jesus ist auferstanden“.

Diese Botschaft verkünden die Nachfolger Jesu seit über 2000 Jahren. Sie reden und leben es. Sie bringen die Hoffnung zu den Hoffnungslosen, sie tragen die Liebe Jesu zu Menschen, die am Rand der Gesellschaft stehen, sie dienen den Vergessenen, sie geben großzügig, sie suchen die Versöhnung und wagen Neues, weil Jesus selbst Neues brachte. 

Die Auferstehungsgeschichte ist Hoffnung und Auftrag zugleich.

Welche Bedeutung hat die Auferstehung Jesu für mein ganz persönliches Leben? Welche Bedeutung hat sie für meine Familie, für meine Ehe und wie können wir diese Botschaft in unsere Stadt tragen? Wie die beiden Frauen am Grab sind auch wir Botschafter. Wie diese Frauen sollten auch wir nicht da bleiben, wo wir sind, sondern aufbrechen, Neues wagen und Versöhnung leben.

 

Björn Letschert

Quellangabe der verwendeten Texte

Bibeltexte: Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers, 1984, Deutsche Bibelgesellschaft