„Wir warten dein, o Gottessohn“

 


Diese Folge gibt es auch als Podcast:


„Wir warten dein, o Gottessohn“ – so beginnt ein altes Lied. Das klingt fast weihnachtlich. Die Adventszeit ist ja auch eine Zeit des Wartens. Warten auf Weihnachten. Warten auf das Christuskind. Warten auf Geschenke. Warten auf einige ruhige Feiertage. Je nach Lebenssituation kann dieses Warten ganz unterschiedlich sein.

„Wir warten deiner mit Geduld“ – so geht das Lied in der zweiten Strophe weiter. Mit der Geduld, da hat es nicht jeder so. Und nach 21 Monaten Pandemie sind viele mit ihrer Geduld am Ende.

Von der Geduld schreibt auch der Apostel Paulus in Römer 5: 1 Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus. 2 Durch ihn haben wir auch den Zugang im Glauben zu dieser Gnade, in der wir stehen, und rühmen uns der Hoffnung auf die Herrlichkeit, die Gott geben wird. 3 Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch der Bedrängnisse, weil wir wissen, dass Bedrängnis Geduld bringt, 4 Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung, 5 Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.

Die Hoffnung, von der Paulus schreibt, hätten vermutlich viele Menschen gerne. Niemand will wirklich ohne Hoffnung leben. Und als Christen glauben wir, dass wir durch den Glauben gerecht geworden sind. Das ist das Geschenk Jesu an uns. Das ist das Geschenk der Gnade Gottes. Davon geht Paulus aus und beschreibt dann diesen Weg zur Hoffnung auf die göttliche Herrlichkeit. Er spricht von Bedrängnis, Geduld und Bewährung. Eines folgt auf das andere. Wir würden diese Etappen gerne überspringen und direkt vom Glauben zur Hoffnung auf die göttliche Herrlichkeit gelangen. Das geht aber nicht. Es gibt auf diesem Weg keine Abkürzung.

Die Pandemiesituation ist eine Bedrängnis. Es ist kein Leid wegen unseres Glaubens, aber es bringt schon auch den Glauben mancher in Bedrängnis. Und es fordert auch die christliche Gemeinschaft heraus. Aus der Bedrängnis wächst Geduld, schreibt Paulus. Und er wusste, wovon er sprach. Mehr als einmal war er in lebensbedrohlichen Situationen. Und aus der Geduld wächst Bewährung. Gesellschaftlich haben wir das vermutlich noch vor uns. Viel Bewährtes gibt es noch nicht im Umgang mit der Pandemie. Da könnte doch zumindest die in Jesus gegründete Gemeinschaft sich bewähren – in gegenseitiger Akzeptanz und Liebe. Und im Festhalten an dem Ziel der Hoffnung. Denn die Hoffnung vergewissert uns, dass wir bei Gott geliebt und angesehen sind. Wissen können wir das, weil uns die Liebe Gottes schon längst geschenkt ist – durch den Heiligen Geist. Und sie hat ein menschliches Gesicht bekommen im Kind in der Krippe: Jesus kam in diese Welt.

Und so wie er selbst diesen Weg durch Bedrängnis, Geduld und Bewährung zur Hoffnung gegangen ist, so folgen wir ihm nach. Und dann könnten unsere Sorgen und Probleme vielleicht einfach ein wenig kleiner werden, als wir sie machen, weil wir sie als Wegstationen erkennen. Mehr sind sie nicht.

Weihnachten könnte 2021 so in ganz besonderer Weise ein Fest der Hoffnung werden. Gott hat alles dafür getan. Der Rest liegt an uns. Es liegt an uns, wieviel Gewicht wir dem geben, was uns niederdrücken will. Es liegt an uns, ob wir uns davon frustrieren lassen, dass die Dinge nicht so laufen, wie wir sie uns gewünscht haben. Es liegt an uns, ob wir auf das Geschenk der Gnade und Liebe Gottes sehen, oder auf das, was uns bedrängt. Die Gründe dafür, sich die Hoffnung rauben zu lassen, sind immer kleiner als die Liebe Gottes, die in Jesus Mensch geworden ist.

So wünsche ich es uns als Gemeinde, dass wir hoffnungsvoll und erfüllt von der Weihnachtsfreude auch in das neue Jahr 2022 gehen können.

 

 

 


Harald Kufner
Pastor 

 


 

Die Sache mit der Hoffnung

In den letzten Wochen konnte man in den Zeitungen Schlagzeilen lesen wie: „Es gibt endlich wieder Hoffnung.“ „Die verfrühte Hoffnung auf ein Ende der Pandemie.“ „Zwischen Hoffnung, Wut und Trauer: Das Leben nach der Flutkatastrophe“. Wie ein leuchtendes Signal taucht das Wort „Hoffnung“ in der täglichen Berichterstattung auf. Der Wunsch und die Sehnsucht nach Hoffnung sind groß. Wir hoffen. Wir hoffen, dass der Tag kommt, an dem wieder alles anders sein wird. Wir hoffen, dass das, was heute so schrecklich falsch läuft, irgendwann behoben sein wird. Die Hoffnung auf morgen ist das, was es uns ermöglicht, die Probleme von heute zu ertragen. Die Hoffnung lässt uns weitermachen und sie lässt uns vorwärtsgehen. Aber was genau ist diese Hoffnung eigentlich? Forscher meinen, dass „Hoffnung“ aus drei großen Säulen besteht. Die erste Säule ist unsere Vorstellungskraft. -> Ich stelle mir etwas vor und mache mir ein Bild von dem, was ich mir erhoffe. Die zweite Säule ist das Wollen. -> Ich begehre es. Ich hungere danach. Ich will es haben. Die dritte Säule ist der Glaube. -> Ich glaube daran, dass das, was ich mir erhoffe, auch kommen wird oder zumindest möglich ist. Diese drei Säulen verwenden wir, um Hoffnung aufzubauen. Wenn ich mir lebhafter und lebendiger vorstelle, was ich mir erhoffe (z.B. eine Krankheit zu überwinden, eine gute Ehe zu führen oder etwas zu erreichen), dann führt das dazu, dass mein Wunsch danach größer wird. Ich steigere mein Verlangen und es ist ein lohnendes Ziel. Ich richte mich darauf aus und beginne zu glauben, dass es eintreten wird oder ich es erreichen kann – und meine Hoffnung wird stärker. Aber Hoffnung ist nicht einfach. Der Apostel Paulus schreibt darüber. Hoffnung erfordert also Unsicherheit, denn wenn ich schon etwas habe, dann muss ich nicht mehr darauf hoffen. Je größer diese Unsicherheit ist, desto tiefer kann meine Hoffnung sein. Und ich denke, das ist ein großer Unterschied zum Optimismus oder positiven Denken. Hoffnung geht weit darüber hinaus. Optimismus ist die Überzeugung, dass etwas gut werden wird. Hoffnung hingegen ist die Gewissheit, dass etwas Sinn ergibt, egal wie es ausgeht. Echte Hoffnung kommt von „außen“. Paulus sagt nicht: „Der Gott des Optimismus erfülle euch, dass ihr immer reicher werdet an Optimismus.“ Echte Hoffnung überwindet die Umstände, sie kommt von außen. Es ist die Überzeugung, dass dein und mein Leben, dass deine und meine Bemühungen in Gott einen Sinn haben, egal wie sich die Situation entwickeln wird. Nach wie vor leben wir in Unsicherheit. Wir wissen nicht, wie sich die Pandemie weiter entwickeln wird. Wir wissen nicht, wie die klimatischen Veränderungen in Zukunft unsern Alltag beeinflussen werden. Wir wissen nicht, wie sich all das auf die Gemeinde auswirken wird. Wir wissen nicht, was morgen passieren wird. Wir haben keine Kontrolle über diese Dinge – aber wir haben Hoffnung. Wir haben die Hoffnung, dass der Gott der Hoffnung die Kontrolle nicht verloren hat. Wir haben die Hoffnung, dass der Tag kommen wird, an dem Tod und Sünde, Schmerz und Schuld, Krankheit und Leid besiegt werden und das Stöhnen und die Ungerechtigkeit ein Ende hat.

Und deswegen dürfen wir jeden Tag neu zu diesem Gott der Hoffnung kommen und ihn bitten, dass er uns diese Hoffnung schenkt. Wir dürfen uns jeden Tag vorstellen, wie eine Welt aussehen könnte, in der Gottes Liebe, seine Güte und Barmherzigkeit die Herzen der Menschen erreicht. Und diese Vorstellung kann unseren Wunsch und unser Wollen verstärken. Es kann uns antreiben und uns Hoffnung schenken mit dem Wissen, dass deine und meine Bemühungen, dass mein und dein Leben in Gott einen Sinn haben – egal wie sich die Situation entwickeln wird. Diese Hoffnung treibt uns an, Gemeinde zu gestalten und Gottes Liebe zu den Menschen zu bringen – gerade jetzt.

 

 

 



Björn Letschert
Gemeindereferent

 


 

Der Blick zurück

Viele Menschen schauen derzeit nach vorne. Es scheint Licht am Ende des Tunnels zu geben. Die Impfungen zeigen erste Erfolgen. Die Sterblichkeitsrate unter den alt gewordenen Menschen ist deutlich gesunken. Die Inzidenzzahlen sinken. Offensichtlich wirkt die „Notbremse“, ebenso das vermehrte Testen, das die Virusverbreitung frühzeitiger stoppt.

Wie auch immer: Der Blick nach vorn scheint mir aber doch oft vom Blick zurück geprägt zu sein. Menschen wünschen sich, dass alles wieder so wird, wie es „vor Corona“ war. Auch in christlichen Gemeinden gibt es diesen verständlichen Wunsch. Dennoch halte ich das aber für einen Trugschluss, denn wenn es nur mit Impfung und noch länger notwendigen Schutzmaßnahmen gehen wird, dann hat sich eben doch etwas geändert. „Nach“ Corona leben wir unter neuen Rahmenbedingungen. Zum Blick zurück kommt mir der biblische Bericht von der Flucht Lots mit seiner Familie in den Sinn. Sodom und Gomorra sind dem Untergang geweiht. Lots Familie ist auf dem Weg in eine neue Zukunft. Sie sollen nur nicht zurückschauen. 

Eine – zugegebener-maßen – eher gruselige Geschichte, die aber sehr deutlich macht, dass der Blick zurück tödlich sein kann. Es geht darum, nach vorne zu schauen, die neue Heimat in Besitz zu nehmen und sich von Gott Zukunft schenken zu lassen. Ganz auf dieser Linie ist das Wort Jesu aus  Wer unter der Herrschaft Gottes lebt, blickt nach vorn. Diese Botschaft fordert Christen bis heute heraus. Der Wunsch nach Nähe Schauen wir also nach vorne. Menschen wünschen sich Nähe. Je nach Prägung und Charakter in unterschiedlichem Maß und unterschiedlicher Ausprägung. Aber ohne menschliche Nähe kann ein Mensch nicht leben. Corona hat uns aber gelehrt, was schon immer galt: Nähe beinhaltet auch ein Risiko. Wenn ich jemanden nahe an mich heranlasse, werde ich verletzlich. Deshalb können uns auch die Menschen, die uns am nächsten sind, am stärksten verletzen. Wenn ich jemanden nahe an mich heranlasse, besteht die Gefahr der Ansteckung mit Bakterien, Viren oder auch Gedanken. Ob HIV- oder Grippevirus: Wir haben gelernt, die Gefahr einzuschätzen und ggf. Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Schwieriger ist es bei Gedanken. Es gehört schon einiges dazu, Einseitigkeiten zu vermeiden und sich umfassend zu informieren. Vielleicht ist es sinnvoll, wieder stärker zu überlegen, wieviel Nähe man wagen möchte, und mit wem? Das Händeschütteln haben wir uns abgewöhnt. Ob es wieder kommen wird? Vielleicht muss das gar nicht sein. Man kann auch auf andere Art höflich und freundlich sein. Eine Folge von Corona könnte ja sein, dass verbindliche und überschaubare Beziehungsgemeinschaften gestärkt werden.  Die sind mit weniger Risiko behaftet als große Menschenmassen auf engem Raum. Wer in das Neue Testament schaut, wird merken, dass das auch die Art ist, wie die ersten christlichen Gemeinden miteinander gelebt haben: Gemeinde „nach Corona“ Diese Gedanken haben uns als Gemeindeleitung auch in unserer Klausurtagung im Februar beschäftigt. Manches davon fand in den Predigten am 14.03., 21.03. und 25.04. seinen Niederschlag. Und wir möchten in den kommenden Monaten darüber ins Gespräch kommen, wie wir als Gemeinde Beziehungen in kleinen, überschau-baren Gruppen stärken können. Das vor Corona übliche Veranstaltungsprogramm wird vermutlich noch längere Zeit auf sich warten lassen. Und das NT zeigt uns recht deutlich, dass Gemeinde Jesu nicht einfach nur Veranstalter religiöser Events ist. „Gemeinde nach Corona“ wird kleinteiliger sein. Es wird viel mehr um Beteiligung gehen als um Konsum. Und mit Sicherheit wird auch die Digitalisierung ihre Spuren hinterlassen. Wie viele andere auch, denken wir, dass die Gemeinde in Zukunft „hybrid“ sein wird. Es wird direkte Begegnung und Kommunikation von Mensch zu Mensch geben, aber eben auch im digitalen Raum. Diese Herausforderungen wollen wir zuversichtlich angehen. Denn eines ist sicher und bleibt bestehen: die Zusage Jesu:

 

 


Harald Kufner
Pastor 

 


 

Über das Sorgen

Im Ps. 4,9 heißt es:
Wenn man sich das derzeitige Geschehen anschaut, dann fällt es mir schwer, diese Worte des Psalmschreibers zu sprechen. Ich liege und schlafe nicht immer in Frieden. Häufiger als ich zugeben möchte, mache ich mir Sorgen über ein Problem, von dem ich nicht weiß, wie ich es lösen kann. Manchmal mache ich mir Sorgen über das, was auf der Welt vor sich geht –die Pandemie, liebe Menschen die schwer erkrankt sind, Unsicherheiten. Manchmal mache ich mir Sorgen über eine Entscheidung, von der ich weiß, dass ich sie treffen muss, aber nicht will. Manchmal mache ich mir Sorgen darüber, dass ich eine schwierige Unterhaltung mit jemandem führen muss, ich aber nicht genau weiß, wie sie ausgeht. Ich mache mir Sorgen um meine Kinder, die Schule, die Gemeinde. Und dann plötzlich – mitten in diesen sorgenvollen Gedanken kommen mir auch andere Bibelverse in den Sinn. Da schreibt z.B. Paulus:

Auch Petrus sagt: Ich frage mich, wie das zusammenpasst? Warum mache ich mir so viele Sorgen, wenn ich doch weiß, dass ich einen Gott habe, der größer als all meine Probleme, Sorgen und Ängste ist? Der die Welt, das Universum geschaffen hat und alles in seinen Händen hält – auch mich, auch mein Leben. Warum sind sie da, diese Sorgen? Die Bibel verspricht uns an keiner Stelle, dass wir ein sorgenfreies Leben haben werden. Auch die Menschen in der Bibel kannten Leid, Schmerz und Tod, auch sie durchlebten teilweise sehr beängstigende und schwierige Umstände. Wenn man sich die biblischen Personen anschaut, dann kann man feststellen, dass sie trotz ihrer Schwierigkeiten in der Realität Christi lebten. Dieser Jesus gab ihnen eine Bedeutung, einen Sinn und Sicherheit, so dass selbst der Tod sie nicht ins Chaos stürzen konnte. Einer dieser Menschen war wohl auch der Autor des Ps.121. Wer diesen Psalm geschrieben hat, weiß man nicht genau. Er war wohl auf der Reise nach Jerusalem. Bevor man die Stadt erreichen konnte, musste man das judäische Bergland aufsteigen. Es waren beschwerliche, enge und gefährliche Pfade. Der Schreiber des Psalms hatte allen Grund sich Sorgen zu machen und er schreibt: Was ich an der hebräischen Denkweise so mag, ist, dass sie gefüllt ist mit Vorstellungen und Bildern, die sehr weltlich, sehr körperlich und sehr konkret sind – so dass die Wirklichkeit Gottes dahin kommen konnte, wo die Menschen waren. „Ich hebe meine Augen auf“ ist ein gewöhnlicher und alltäglicher Ausdruck in der hebräischen Literatur. Er bezieht sich nicht nur auf die Augen. Es bedeutet, dass man etwas bemerkt. Es bedeutet, dass man sich einer Möglichkeit bewusst wird, dass jemand oder etwas meine Aufmerksamkeit erregt und auf sich zieht. Es ist einfach eine lebendige, hebräische Art, um eine der großartigsten menschlichen Freiheiten auszudrücken, die uns niemand nehmen kann: die Freiheit selbst zu entscheiden, auf was man seine Aufmerksamkeit und seine Gedanken ausrichten möchte. Hebe deine Augen auf. Ich kann meine Aufmerksamkeit und meine Gedanken auf meine Probleme richten, ich kann sie auf meine Sorgen richten, auf meine Ärgernisse und Ängste, oder ich richte sie auf Gott. Und vielleicht kann ich dann mit dem Psalmisten gemeinsam sagen: Dieser Psalm ist kein Versprechen, dass unsere Leben geschützt und sicher sind, aber er sagt uns, dass meine ewige Seele nicht auf dem Spiel steht. Es sind Worte, die sagen: Gott will dich halten, er behütet dich, er sieht dich, er kennt deine Situation und er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen. Daher gilt auch für uns: Was uns auch immer in den nächsten Wochen begegnen wird – wir dürfen unsere Augen, unsere Gedanken und unsere Aufmerksamkeit auf das Kreuz richten – auf den, der schon alles für uns getan hat.

 

 




Björn Letschert
Gemeindereferent