„Versöhnung leben – Neues wagen“ …

… war das Jahresthema unserer Gemeinde für das Jahr 2018 und wird es auch für 2019 bleiben. Diese vier kurzen Worte sind Rückschau und Aufbruch zugleich. „Versöhnung leben“: alte Verletzungen aufarbeiten, Vergebung erfahren, aus Gottes Liebe und Gnade dem anderen mit vergebungsbereiten, offenen Herzen begegnen und den Frieden suchen. „Neues wagen“ steht für: Aufbruch, Veränderung, Orientierung, durch offene Türen gehen, die Gott schenkt, seiner Führung folgen und mit neuen Ideen Salz und Licht sein für unsere Stadt.

Unser Jahresthema erinnert mich an einen wundervollen Vers aus der Bibel. Der Autor des Hebräerbriefes vergleicht den Kampf des Glaubens mit einem Läufer in einem Wettkampf und er schreibt:

Deshalb wollen auch wir – wie Läufer bei einem Wettkampf  – mit aller Ausdauer dem Ziel entgegenlaufen. Wir wollen alles ablegen, was uns beim Laufen hindert, uns von der Sünde trennen, die uns so leicht gefangen nimmt, und unseren Blick auf Jesus richten. (Hebr. 12,1-3 NGÜ)

Das ist ein großartiges und kraftvolles Bild. Der Läufer strengt sich an, er möchte das Rennen gewinnen. Sein Körper ist leicht nach vorn gebeugt, die Hände gestreckt, die Muskeln gespannt, der Blick aufs Ziel gerichtet. Er schaut nicht zurück, sondern konzentriert sich darauf, was vor ihm liegt. Das bedeutet nicht, dass wir nicht aus dem „Gestern“ lernen dürfen. Es bedeutet auch nicht, dass wir nicht mit Dankbarkeit zurückschauen oder uns erinnern dürfen.  Es bedeutet, dass nichts aus meiner Vergangenheit so wichtig ist, dass es mich vom Ziel abbringt. Wenn ich gestern versagt habe und schuldig geworden bin, dann darf ich wieder aufstehen, Vergebung erfahren und weiterlaufen. Wenn ich gestern etwas Großartiges getan habe, dann ruhe ich mich nicht darauf aus, sondern laufe weiter. Es bedeutet schlicht: Ich darf dem Gestern nicht erlauben, meine Hingabe an Jesus zu stoppen und das Ziel aus den Augen zu verlieren.

Und so dürfen auch wir als Gemeinde auf das Jahr 2018 zurückschauen. Wir dürfen dankbar sein…

  • für die gute Klärung der Mitgliedschaftsfrage unserer Gemeinde,
  • für die Mitarbeiter, die sich mit viel Engagement und Treue einbringen,
  • für die vielen Beter,
  • für unsere Finanzen und Möglichkeiten, die Gott uns schenkt,
  • für Bewahrung bei allen Aktionen und Fahrten.

Gott hat uns gesegnet und überreich beschenkt. Aber ebenso dürfen wir auf das Jahr 2018 zurückschauen und uns erinnern…

  • an liebe Menschen, die heimgegangen sind,
  • an schwere Momente und dunkle Zeiten,
  • an Menschen, die gesundheitlich angeschlagen sind und kämpfen.

Wir haben allen Grund zum Danken und viele Gründe zum Bitten und Flehen, aber unser Blick soll nach vorn auf das Ziel gerichtet bleiben. Es ist eine machtvolle Sache, sich zu entscheiden, auf was ich meine Augen richten möchte. Denn worauf meine Augen gerichtet sind, dahin werden auch meine Gedanken gehen und mein Herz folgen.

Im Brief an die Philipper greift Paulus dieses Bild vom Läufer auf und fügt hinzu:

„Es ist also nicht etwa so, dass ich das alles schon erreicht hätte und schon am Ziel wäre. Aber ich setzte alles daran, ans Ziel zu kommen und von diesen Dingen Besitz zu ergreifen, nachdem Jesus Christus von mir Besitz ergriffen hat. Geschwister, ich bilde mir nicht ein, das Ziel schon erreicht zu haben. Eins aber tue ich: Ich lasse das, was hinter mir liegt, bewusst zurück, konzentriere mich völlig auf das, was vor mir liegt, und laufe mit ganzer Kraft dem Ziel entgegen, um den Siegespreis zu bekommen – den Preis, der in der Teilhabe an der himmlischen Welt besteht, zu der uns Gott durch Jesus Christus berufen hat.“ (Phil3,12-14)

Paulus hat das Ziel auch noch nicht erreicht, aber er weiß, dass er in diesem Lauf nicht auf seine eigenen Fähigkeiten, Stärken und Begabungen bauen muss, sondern es ist Christus, der ihn antreibt, der „Besitz von ihm ergriffen hat“. Wir laufen nicht aus eigener Kraft, sondern Christus ist es, der uns immer weiterschiebt und drückt, uns aufhebt, wenn wir fallen, uns Hoffnung schenkt, wenn wir kraftlos sind, und uns trägt, wenn unsere Beine müde werden. Unsere Aufgabe ist es, unseren Blick auf das Ziel zu richten – auf Christus, der vor 2000 Jahren auf diese Erde kam, um mit uns gemeinsam zu laufen.

Im neuen Jahr 2019 möchten auch wir als Gemeinde Neues wagen. Im Rahmen unserer „Zukunftswerkstatt“ fragen wir uns, wohin unser Herr uns als Gemeinde führen möchte, welche Türen er öffnet und welche Wege er mit uns gehen will. Es wird ein spannender Prozess werden, ein neuer Abschnitt auf der Rennbahn – aber wenn wir unseren Blick auf Jesus gerichtet haben, wird er uns sicher führen und wir dürfen ihn neu entdecken und erleben.

In diesem Sinne wünsche ich jedem einen guten und segensreichen Jahresabschluss und eine besinnliche Advents- und Weihnachtszeit. Möge unser Blick auf Jesus gerichtet sein.

 

Björn Letschert (Gemeindereferent)

Quellangabe der verwendeten Texte

Bibeltexte: Hinweise an Textstellen

 


Einleitung zum Jahresthema 2018

Unser Jahresthema 2018 dreht sich um die wichtigen Stichworte „Versöhnung“ und „Neues“. Dabei hat Versöhnung meist etwas mit unserer Vergangenheit zu tun: Gelingt uns ein Umgang mit der Vergangenheit, der uns loslässt und frei macht für die Zukunft? Nur dann können wir auch wirklich Neues wagen.

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, mit der Vergangenheit umzugehen:


Aus Vergangenheit folgt Dankbarkeit

In Psalm 103 werden wir mit dem Satz „Vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat“ aufgefordert, auf das gute Wirken Gottes in unserm Leben zu sehen. Der Blick auf Jesus Christus und sein Kommen zu uns Menschen lässt Christen einen Grundton der Dankbarkeit und der Freude in ihrem Leben haben.

Aus Vergangenheit folgt Bescheidenheit

Paulus schrieb in Phil 3, 13: „Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, was da vorne ist“. Es gibt Dinge in unserem Leben, die können wir nicht vergessen, an deren Folgen tragen wir vielleicht sogar ein Leben lang. Paulus ist aber wichtig (Phil 3,12): „Nicht, dass ich‘s schon ergriffen hab!“ Meine Vergangenheit, meine Erfahrung ist nicht alles. Es gibt immer noch mehr und anderes als das, was mich und mein Leben geprägt hat.

Vergangenheit erklärt aber entschuldigt nicht

Manche Menschen entschuldigen sich ihr Leben lang mit Erfahrungen in ihrer Kindheit. Diese mögen manches erklären. Gottes Gnade ist aber immer größer als alle schweren Erfahrungen (vgl. 2. Mose 20,5-6) Die Vergangenheit ändert sich nicht mehr. Aber durch Gottes Barmherzigkeit ist Versöhnung mit der Vergangenheit angesagt und möglich.

Vergangenheit, die zwischen Menschen steht, sollte bereinigt werden

Manchmal „gärt“ auch Vergangenes im Miteinander und belastet oder zerstört Gemeinschaft. Jesus fordert uns heraus, dann den Weg der Versöhnung zu gehen: (Mt 5, 23f): „Darum, wenn du deine Gabe auf dem Altar opferst und dort kommt dir in den Sinn, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, so lass dort vor dem Altar deine Gabe und geh zuerst hin und versöhne dich mit deinem Bruder, und dann komm und opfere deine Gabe.“

Es liegt eine gewisse Spannung zwischen „Vergiss nicht, was er die Gutes getan hat“ und „Ich vergesse, was hinter mir liegt“. Sowohl der Psalmbeter wie auch Paulus sind aber auf die Zukunft ausgerichtet. So sind wir herausgefordert uns nicht nur mit der Frage „Wo kommen wir her?“ sondern viel mehr noch mit der Frage „Wo gehen wir hin?“  zu befassen.


Neues wagen

Schon im Alten Testament spricht Gott (Jesaja 43,18-19): „Gedenkt nicht an das Frühere und achtet nicht auf das Vorige! Denn siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr’s denn nicht?“. Das Neue zu erkennen ist schwieriger als wir meist denken. Denn das wirklich Neue ist nicht nur eine Fortschreibung des Alten. Wir sind letztlich kaum fähig uns eine radikal andere Welt vorzustellen.

Ken Olsen hatte 1957 eine Computerfirma gegründet (Digital Equipment Corporation). In den 80er Jahren war es der zweitgrößte Computerhersteller weltweit: Über 100.000 Angestellte. 1977 hatte Olsen gesagt: „Es gibt keinen Grund, warum jeder einen Computer zuhause haben sollte.“ Anfang der 90er Jahre ging der Umsatz seiner Firma „unerwartet“ zurück. 8 Jahre später wurde die Firma aufgelöst. Ein Jahr danach wurden weltweit erstmal über 100 Mio. PCs in einem Jahr verkauft.

Dies ist ein Beispiel von vielen, das vor Augen führt, wie wir Menschen an der Herausforderung uns auf etwas wirklich Neues einzulassen, scheitern können.

Gott spricht vom „neuen Herz“ und von „neuen Bund“. Jesus erzählt vom „neuen Wein“, der nicht in „alte Schläuche“ passt. Das Neue hat Sprengkraft. Es ist nicht wirklich beschreibbar – aber es wird kommen. Gott sagt es zu. Am Ende werden ein „neuer Himmel und eine neue Erde“ stehen. Auch die Bibel kann das nur in Bilder beschreiben, die uns allenfalls eine Ahnung davon geben, was da kommen wird. Das Neue wagen bedeutet, sich auf Unbekanntes einlassen und das Risiko einzugehen, am Anfang nicht zu wissen, was am Ende dabei herauskommt. In Bezug auf das Reich Gottes haben wir dafür allein die Zusage Gottes.

 

Harald Kufner

Quellangabe der verwendeten Texte

Bibeltexte: Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers, 2017, Deutsche Bibelgesellschaft