Unser Jahresthema 2018 dreht sich um die wichtigen Stichworte „Versöhnung“ und „Neues“. Dabei hat Versöhnung meist etwas mit unserer Vergangenheit zu tun: Gelingt uns ein Umgang mit der Vergangenheit, der uns loslässt und frei macht für die Zukunft? Nur dann können wir auch wirklich Neues wagen.

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, mit der Vergangenheit umzugehen:


Aus Vergangenheit folgt Dankbarkeit

In Psalm 103 werden wir mit dem Satz „Vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat“ aufgefordert, auf das gute Wirken Gottes in unserm Leben zu sehen. Der Blick auf Jesus Christus und sein Kommen zu uns Menschen lässt Christen einen Grundton der Dankbarkeit und der Freude in ihrem Leben haben.

Aus Vergangenheit folgt Bescheidenheit

Paulus schrieb in Phil 3, 13: „Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, was da vorne ist“. Es gibt Dinge in unserem Leben, die können wir nicht vergessen, an deren Folgen tragen wir vielleicht sogar ein Leben lang. Paulus ist aber wichtig (Phil 3,12): „Nicht, dass ich‘s schon ergriffen hab!“ Meine Vergangenheit, meine Erfahrung ist nicht alles. Es gibt immer noch mehr und anderes als das, was mich und mein Leben geprägt hat.

Vergangenheit erklärt aber entschuldigt nicht

Manche Menschen entschuldigen sich ihr Leben lang mit Erfahrungen in ihrer Kindheit. Diese mögen manches erklären. Gottes Gnade ist aber immer größer als alle schweren Erfahrungen (vgl. 2. Mose 20,5-6) Die Vergangenheit ändert sich nicht mehr. Aber durch Gottes Barmherzigkeit ist Versöhnung mit der Vergangenheit angesagt und möglich.

Vergangenheit, die zwischen Menschen steht, sollte bereinigt werden

Manchmal „gärt“ auch Vergangenes im Miteinander und belastet oder zerstört Gemeinschaft. Jesus fordert uns heraus, dann den Weg der Versöhnung zu gehen: (Mt 5, 23f): „Darum, wenn du deine Gabe auf dem Altar opferst und dort kommt dir in den Sinn, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, so lass dort vor dem Altar deine Gabe und geh zuerst hin und versöhne dich mit deinem Bruder, und dann komm und opfere deine Gabe.“

Es liegt eine gewisse Spannung zwischen „Vergiss nicht, was er die Gutes getan hat“ und „Ich vergesse, was hinter mir liegt“. Sowohl der Psalmbeter wie auch Paulus sind aber auf die Zukunft ausgerichtet. So sind wir herausgefordert uns nicht nur mit der Frage „Wo kommen wir her?“ sondern viel mehr noch mit der Frage „Wo gehen wir hin?“  zu befassen.


Neues wagen

Schon im Alten Testament spricht Gott (Jesaja 43,18-19): „Gedenkt nicht an das Frühere und achtet nicht auf das Vorige! Denn siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr’s denn nicht?“. Das Neue zu erkennen ist schwieriger als wir meist denken. Denn das wirklich Neue ist nicht nur eine Fortschreibung des Alten. Wir sind letztlich kaum fähig uns eine radikal andere Welt vorzustellen.

Ken Olsen hatte 1957 eine Computerfirma gegründet (Digital Equipment Corporation). In den 80er Jahren war es der zweitgrößte Computerhersteller weltweit: Über 100.000 Angestellte. 1977 hatte Olsen gesagt: „Es gibt keinen Grund, warum jeder einen Computer zuhause haben sollte.“ Anfang der 90er Jahre ging der Umsatz seiner Firma „unerwartet“ zurück. 8 Jahre später wurde die Firma aufgelöst. Ein Jahr danach wurden weltweit erstmal über 100 Mio. PCs in einem Jahr verkauft.

Dies ist ein Beispiel von vielen, das vor Augen führt, wie wir Menschen an der Herausforderung uns auf etwas wirklich Neues einzulassen, scheitern können.

Gott spricht vom „neuen Herz“ und von „neuen Bund“. Jesus erzählt vom „neuen Wein“, der nicht in „alte Schläuche“ passt. Das Neue hat Sprengkraft. Es ist nicht wirklich beschreibbar – aber es wird kommen. Gott sagt es zu. Am Ende werden ein „neuer Himmel und eine neue Erde“ stehen. Auch die Bibel kann das nur in Bilder beschreiben, die uns allenfalls eine Ahnung davon geben, was da kommen wird. Das Neue wagen bedeutet, sich auf Unbekanntes einlassen und das Risiko einzugehen, am Anfang nicht zu wissen, was am Ende dabei herauskommt. In Bezug auf das Reich Gottes haben wir dafür allein die Zusage Gottes.

 

Harald Kufner

 

 

Quellangabe der verwendeten Texte

Bibeltexte: Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers, 2017, Deutsche Bibelgesellschaft